Mein letztes Hemd

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Mein letztes Hemd?



Bin ich Sterntaler? Soll ich wirklich mein letztes Hemd hergeben, um die Steuerlast auf den Schultern unseres Kanzlers zu erleichtern? Mein letztes Hemd... zerschlissen, verwaschen, geflickt. Aber was ziehe ich dann an? Soll ich nackt gehen? Und wenn ja, droht mir dann eine Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses? Wieviel müßte ich da bezahlen?

Diese Fragen beantwortet Christian Stein, der sich die Aktion "Letztes Hemd" ausgedacht hat, in seiner Kettenmail nicht. Der ist nur ganz stolz auf die Anzahl der Menschen, die seinem Vorbild folgen. Aber vom Porto (schließlich kann sich das letzte Hemd ja nicht selber auf den Weg machen) schreibt er was.

"Zwischen 1,53 und 2,25 Euro, je nach Gewicht", gibt mir auch die nette Dame am Schalter der Deutschen Bundespost Auskunft. Ich grübele. Das waren früher mal zwischen drei und fünf Mark Mark. Wenn man's nicht hat, viel Geld. Und wenn viele ihr Hemd an den Kanzler verschicken, noch mehr Geld. Allerdings nicht für den Kanzler, sondern für die Post. Bei 10.000 letzten Hemden immerhin 15.300 bis 22.500 Euro.

Auf dem Heimweg ziehen vor meinem geistigen Auge unzählige, ihres letzten Hemdes entledigte nackte Menschen vorbei, verdonnert zu horrenden Geldstrafen, die sie nicht bezahlen können und deshalb zum Urlaub auf Staatskosten eingeladen werden, was die Steuerlast auf den Schultern unseres Kanzlers noch schwerer wiegen läßt, während eifrige kleine Männlein Geld in die Tresore der Post schaufeln.

Tief in Gedanken über schwarze und rote Zahlen versunken öffne ich meinen Briefkasten und werde jäh in die Realität zurückgezerrt, als mir, schon wieder, eine AOL-CD auf die Füße (Schuhe kann ich mir schon lange nicht mehr leisten) fällt. Autsch. Da gab es doch was... richtig. Die soll ich auch verschicken. Nach Amerika. Dort will sie einer sammeln und dann mit einem Lastwagen zu AOL karren. Aus Deutschland sind immerhin schon 20.000 CDs eingetroffen. Für einen Brief nach Amerika muß ich 3,07 Euro bezahlen. Das weiß ich, weil Herr Korte, mein Nachbar, einen Bekannten hat, der das gemacht hat. Ich erinnere mich noch gut an das leise Gefühl des Neides, das mich überkam, als Herr Korte mir von seinem anscheinend schwerreichen Freund erzählte.

Nachdenklich betrachte ich den Stapel von glänzenden CDs, der sich im Laufe der Zeit angesammelt hat. Dann kommt mir die zündende Idee. Ich bastel mir ein Mobile daraus und hänge es an die Decke. Und dann lege ich mich in meinem letzten Hemd, zerschlissen, verwaschen, geflickt, aber saubequem, darunter und fühle mich jetzt doch ein kleines bißchen wie Sterntaler.